interaction_11::: dadawörter um den see


_klebeband versus logofetischismus.
_passantinnen und passanten als mobiles dada-gedicht.


interpixel installierte sich im frühjahr 2002 im rahmen einer aktion des zürcher dadahauses beim museum bellerive im stadtzürcher seefeld und lud passantinnen und passanten ein, sich dadawörter aus klebeband auf ihre kleidung auftragen zu lassen. wer mitmachte, las aus einer liste ein wort aus und setzte selbst wieder ein neues hinzu. die derart beklebten setzten danach ihre spaziergänge und seetouren wie gewohnt fort.
beschriftete kleidungsstücke sind unter anderen eine retrobewegung der 80er jahre, heute wiederbelebt und pervertiert zu logofetischismus und markenkult. was früher punkig, ist heute clever standardisierte industrielle jugendkultur: fila, nike, mtv. jedes politische und gesellschaftliche schlagwort kann sinnentleert zum kleidungsassessoire verkommen. was früher jugendrebellion, ist heute monetär motivierte gleichschaltung. was sich paradoxerweise zur norm entwickelte, bricht interpixel mit der interaction_11 auf. die klebebegriffe tragen botschaften in die welt hinaus; nicht den gesetzen des marktes horchend, sondern subtil auf einer metaebene miteinander verknüpft: die vordergründig zusammenhangslosen vokabeln bilden ein mobiles dada-gedicht.

dadahaus, seepromenade, zürich, 2002

assistenz: florian kalotay, sidonie nuoffer